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Vermehrung von Orchideen - Wie können Orchideen vermehrt werden?

Die Möglichkeiten, Orchideen zu vermehren sind vielfältig. Ob in der Gärtnerei oder im Labor, durch Bestäubung oder ohne, die Orchideenzucht gestaltet sich aufwändig und zeitintensiv. Ein Frauenschuh, den wir in der Gärtnerei zum Muttertag kaufen, ist mitunter schon mehrere Jahre alt. Nur dank moderner Vermehrungsstrategien sind Orchideen heute so erschwinglich wie nie. Übrigens bringen nicht wenige Verfahren Nachkommen hervor, die Klone ihrer eigenen Eltern sind. Das geschieht ganz ohne Gentechnik, auch in der Natur.

Fortpflanzung in der Natur

Wie andere Blütenpflanzen, macht sich eine Orchidee in ihrem natürlichen Habitat unwissende Insekten zu willen, um sich fortzupflanzen. Ihre Blüten sind zwittrig, sie besitzen also sowohl männliche Geschlechtsorgane, den Pollen, als auch weibliche, den Stempel. So auch der Frauenschuh. Angelockt durch die Farbenpracht, plumpsen Bienen in den sackartigen Schuh der Blüte. Da sie auf demselben Weg nicht wieder herauskrabbeln können, müssen sie an einer anderen Stelle, vorbei an den Pollensäcken und der Narbe wieder herauskrabbeln. Dabei bestäuben sie ganz beiläufig die Blüte und zeugen die nächste Orchideengeneration.

Wussten Sie, dass die Untergattung Polychilos der Phalaenopsisorchideen einen einzigartigen Mechanismus entwickelt hat, um das Heranreifen der Samen auf besondere Weise zu unterstützen? Nachdem ein Insekt die Blüte befruchtet hat, verwelkt diese nicht, sondern durchläuft eine Metamorphose zu einer kleineren grünen Blüte, die in der Lage ist, Photosynthese zu betreiben und so einen Beitrag zum Energiebedarf der Samenreifung zu leisten.

Orchideen vermehren sich aber nicht nur über Bestäubung sondern auch über Ableger, sogenannte Kindel. In der Natur machen sie das besonders dann, wenn es ihnen schlecht geht und sie schnell das Fortbestehen ihrer Art sichern wollen.

Die generative Vermehrung

Als Orchideen im 18. Jahrhundert als Zimmerpflanzen populär wurden, wussten Zierpflanzengärtner noch nicht, wie man sie züchten kann. Aus dem Grund mussten Händler jede einzelne Pflanze aus ihren Herkunftsländern importieren. Das machte die exotische Pflanze äußerst exklusiv und nahezu unbezahlbar. Erst etwa 150 Jahre später entdeckte man den entscheidenden Trick: Die mikroskopisch kleinen Orchideensamen können nur dank einer Symbiose mit einem Fadenpilz keimen. Direkt nach der Keimung dringt er in die Samen ein und dient ihnen als Nährstoffquelle bis die Keimlinge Photosynthese betreiben und sich selbst ernähren können. In der modernen Pflanzenzucht gelingt es mittlerweile, den Samen die Nährstoffe auch asymbiotisch ohne Pilz zur Verfügung zu stellen, indem man sie auf speziellen Nährmedien kultiviert.

Was die Orchideenzucht so aufwändig macht, ist aber nicht nur die Keimung, sondern auch die Gewinnung der Samen. In der Natur helfen Insekten bei der Bestäubung, im Gewächshaus muss der Pollen von Hand auf die Narbe aufgebracht werden. Eine umständliche und zeitintensive Arbeit. Danach ist Geduld gefragt. Es dauert etwa acht bis zwölf Monate bis die Samenkapseln reif sind. Doch das Warten lohnt sich, hunderttausende oder gar mehrere Million staubfeine Samen enthält jede Kapsel. Bereits einige Wochen bevor es soweit ist, werden sie geerntet, denn am Ende des Reifeprozesses platzen die Kapseln auf. Wenn sie platzt, riskiert man nicht nur den Verlust der wertvollen Samen sondern auch, dass sie mit Krankheitserregern kontaminiert werden. Unter sterilen Bedingungen werden die Samen dann auf Nährmedien ausgesät und bleiben nach der Keimung noch etwa zwei Jahre in einem Speziallabor bevor sie zurück in die Gärtnerei kommen. Dort werden sie weitere drei bis sechs Jahre kultiviert bis sie kurz vor ihrer ersten Blüte stehen und im Handel verkauft werden können.

Die Bestäubung ist eine eher altmodische Art, Orchideen zu kreuzen. Man führt sie meist dann durch, wenn neue Hybridsorten erzeugt werden sollen. Im Gegensatz zu Naturformen sind Hybridsorten Mischlinge aus zwei verschiedenen Elternpflanzen, von denen man sich besonders gute Nachkommen erhofft. Die meisten im Handel erhältlichen Sorten sind Hybride, die mit den modernen Methoden der vegetativen Vermehrung geklont werden.

Die vegetative Vermehrung

Um den langwierigen Vermehrungsprozess abzukürzen, entwickelten Züchter clevere Methoden, Orchideen ohne Bestäubung, also vegetativ, zu vermehren. Bei der Gewebekultur zum Beispiel, wird Pflanzenmaterial aus Blattspitzen, Wurzelspitzen oder Triebaugen der Stängel vermehrt. Darin befinden sich die Stammzellen der Orchideen, die man auf einem Nährboden im Labor zu ganzen Pflanzen heranziehen kann. Diese Methode ist nicht nur kontrollierbarer und wirtschaftlicher als die konventionelle Bestäubung, es entstehen dabei genetisch identische Nachkommen, die genau die gleichen Eigenschaften wie ihre Mutterpflanze besitzen. So lassen sich die besten und schönsten Orchideen, also beispielsweise besonders, blühfreudige, robuste und wachstumsstarke Exemplare, auf relativ einfache Art in riesigen Stückzahlen erzeugen.

Dank dieser ungeschlechtlichen Vermehrungsstrategie ist die Orchideenzucht heute einfacher, schneller und vor allem viel kostengünstiger. Deswegen bekommt man sie heutzutage schon für ein paar Euro im Supermarkt.

Kindel

Es gibt jedoch auch natürliche Formen der ungeschlechtlichen Vermehrung. Um sich zu verbreiten, bilden Orchideen manchmal Kindel aus. Diese Miniaturorchideen entstehen die an den Triebaugen der Blütenstängel und werden abgestoßen sobald sie ausreichend starke Wurzeln haben. Da es keine Bestäubung braucht, um Kindel auszubilden, sind sie keine Kreuzungen, sondern kleine Klone der Mutterpflanze. Es kommt vor, dass eine Orchidee Kindel bildet, wenn sie so gestresst ist, dass sie um ihr Überleben bangt. In dem Fall steckt sie all ihre Energie in die nächste Generation, um das Fortbestehen ihrer Gene zu sichern. Das muss aber nicht immer die Ursache sein, einige Sorten vom Orchideenzüchter haben auch einfach die Veranlagung dazu, oft Kindel auszubilden.

Ableger auszupflanzen, ist eine tolle Methode Ihre Orchidee zu verjüngen. Umwickeln Sie die zarten Wurzeln des Ablegers mit feuchtem Sphagnum Moos, um ihre Entwicklung zu unterstützen. Schneiden Sie das Kindel mit einem desinfizierten Messer von der Mutterpflanze ab, wenn es mindestens zwei Blätter hat und die Wurzeln drei bis fünf Zentimeter lang sind. In feinkörnigem Substrat an einem schattigen Ort wird es in den kommenden Monaten gut gedeihen.

Vermehrung durch Teilung

Sorten wie Cymbidium, Oncidium oder Brassia, die sympodial Sphagnum Moos, lassen sich daher durch Teilung vermehren. Bei sympodialem Wachstum bildet das unterirdische Rhizom immer wieder neue, einzelne Triebe oder Bulben aus. Wird es irgendwann eng im Topf, lassen sie sich zu mehreren eigenständigen Pflänzchen vereinzeln, indem das Rhizom an der entsprechenden Stelle durchgeschnitten wird. Das können Sie übrigens auch zu Hause machen.

Arten wie Angraecum oder Vanda wachsen monopodial und besitzen nur einen Spross, an dem neue Blätter und Blüten sprießen. Sie vermehrt man nicht durch Teilung, es sei denn sie zu groß geworden und haben bereits bewurzelte Seitentriebe ausgebildet. Da man beim Teilen von Orchideen Nachkommen ohne vorige Bestäubung erhält, bezeichnet man auch diese Form der Vermehrung als ungeschlechtlich.

Stecklingsvermehrung

Terrestrische Orchideen können auch klassisch über Stecklinge vermehrt werden. Diese Methode verwenden Gärtner hauptsächlich bei Vanilla planifolia. Für die Stecklingsvermehrung schneidet man nicht blühende Ranken der Vanilla ab kürzt sie auf zehn bis fünfzehn Zentimeter mit drei bis vier Blättern. Im feuchten Anzuchtsubstrat mit einem dünnen Holzstab als Stütze bewurzeln sich die Stecklinge rasch und wachsen erneut zu großen Prächtigen Orchideen heran.

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